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4. Juli 2011

Schulfrieden

Motto: Nicht der Streit um neue Lösungen gefährdet den Frieden, sondern das Aussitzen von Problemen und das Hinauszögern von Lösungen.

Das Thema Schulreform muss man besonnen und gelassen angehen. Aufregung und Entrüstung helfen überhaupt nicht. Das aktuelle Thema in Dorsten ist: Schülermangel an einzelnen Grund- und Hauptschulen, dadurch drohende Schulschließungen.
Bei den Grundschulen ist es eine reine Rechenaufgabe. Wie viele Kinder in den vergangenen 6 Jahren in Dorsten geboren wurden, ist bekannt. Die Anzahl von Grundschulplätzen im Stadtgebiet ist ebenfalls bekannt. Es gibt ein Verteilungsproblem unter der Vorgabe „kurze Beine, kurze Wege“. Das heißt zum Beispiel, die Grundschulen in Gahlen, Deuten und Altendorf-Ulfkotte sollten erhalten werden, Agatha II aber nicht unbedingt, weil es Alternativen in zumutbarer Entfernung gibt. Dazu müsste man den Mut haben, sich über Richtwerte hinwegzusetzen und von der Schulministerin einen entsprechenden Erlass zu fordern. Warum sollte eine ländliche Grundschule nicht vorübergehend mit 15 Kindern einzügig geführt werden, anstatt sie zu schließen und anders zu nutzen bzw. abzureißen? In Zukunft wird die Eingliederung behinderter Kinder Pflicht, was einen erhöhten Bedarf an Schulräumen mit sich bringen wird.

Das Problem der weiterführenden Schulen ließe sich mit den Worten eines Verkäufers so beschreiben: die Hauptschule ist aus der Mode, wird nicht mehr so gerne genommen. Dafür ist die Nachfrage nach Gesamtschulplätzen so groß, dass die Lieferung nicht nachkommt. Wir müssen reagieren, wenn wir die Kunden nicht verlieren wollen!

Nichts einfacher als das: Für Dorsten muss eine zweite Gesamtschule her. Die fantasielose Lösung wäre das Pliesterbecker Schulzentrum. Hier ist eine Initiative vor etwa 30 Jahren schon einmal gescheitert. Gebäude für ein Schulzentrum wären aber auch auf dem ehemaligen Gelände des alten Petrinum vorhanden. Dort könnte eine Gesamtschule auf der Grundlage einer Förderschule aufgebaut werden, im Zuge von ersten Schritten zur Inklusion von Behinderten. Eine dritte Möglichkeit – falls sich eine Elterninitiative dafür stark macht – wäre ein Ausbau der Laurentiusschule (Hauptschule in Lembeck) zur Gesamtschule. Man könnte so langfristig eine weiterführende Schule im Ort erhalten, ähnlich wie in Schermbeck. Viele Kinder aus dem Umfeld Lembeck/Rhade wandern ab an das Gymnasium in Maria Veen bzw. an die Realschule in Reken. Andererseits sinken die Anmeldezahlen für die Laurentiusschule, so dass sie mittelfristig von Schließung bedroht ist.

Für derlei Pläne müssten sich zu allererst die Eltern potentieller Schüler stark machen. Ohne sie geht jede Lösung baden. Inzwischen hat endlich auch die derzeitige Mehrheit in der Bundes-CDU erkannt, dass das dreigliedrige Schulsystem passeé ist. Eltern wollen aber jetzt keine neuen Schulversuche, sondern eine Schule, auf die sie sich verlassen können. Das ist die Gesamtschule. Sie hat sich in Dorsten über mehr als 35 Jahre bewährt. Man kann also hier getrost eine zweite machen. Wenn man will!


Autor: Karl Türck - Sachkundiger Bürger im Schulausschuß im Rat der Stadt Dorsten und Studienrat im Ruhestand